Ophelia was the rebel girl

Beiträge vom Juni 2007

Schatzkeller

Sonntag, 10. Juni 2007 · Kommentar schreiben

Wir haben gestern den Keller ausgemistet. Es ist unglaublich, was sich dort alles angesammelt hat in 16 Jahren Sardinenbüchse: 17 Eimer Farbe, mehr oder weniger vertrocknet, mehr oder weniger weiß, auch etwas Abtönfarbe, zusammengefaltete 1,50 Höhenmeter morsche Umzugs- und sonstige Kartons, Ski (mit 70er-Jahre Skihose), Schlittschuhe (mit Socken), Kinderkrücken, Säcke um Säcke voller Altkleider, mehrere morsche Kartons voller morscher Sixpacks voller abgelaufener Flaschen Mike’s Hard Lemonade, die beim Entsorgungsversuch durch besagte morsche Kartons rutschen und sich in alkoholische Limonadenpfützen auf dem dreckigen Kellerboden ergießen, diverser Elektroschrott wie Videorekorder und Aufnahmegeräte aus den 80ern (wobei der Spitzenreiter aber die unzähligen Wasserkocher sind, Verschleißerscheinung Nummer 1 in Sechser-WGs), eine Metalljalousie, welche auf den ersten Blick perfekt in die Vorratskammer zu passen scheint und dort hoffentlich bald das ausgeleierte Bambusrollo ersetzt, das die Lebensmittel nicht wirklich vor der erbarmungslosen sommerlichen Morgensonne schützt, und, zu guter letzt, in einer Ecke in einem blauen Müllsack verborgen: unser verlorenes Bidet. Das Bidet, das in allen anderen Wohnungen dieses wunderschönen Hauses im Bad installiert ist, dort, wo bei uns die Waschmaschine steht; dort, wo es aber ebenso wenig benutzt wird, wie wenn es bei uns stünde. Dieses Gefühl, das man empfindet, wenn man in einem von unfreundlichen Handwerkern verdreckten Keller die alten Habseligkeiten unzähliger ehemaliger Sardinen in Elektroschrott, Sondermüll, Sperrmüll und Altkleider sortiert in Turnschuhen, die mit alkoholischer Limonade durchweicht sind, die älter ist als der Begriff Alkopop, mit Händen und Armen bedeckt in Spritzern einer Limo-Bodendreck-Paste und man dann, in der allerletzten Ecke, vollkommen unverhofft ein Bidet findet, einfach so – nein, das kann man wirklich nicht in Worte fassen.

Man mag sich aber durchaus meine Entzückung vorstellen ob der Schätze, die ich nach ihrer Entdeckung wohlwollend in meine Obhut genommen habe: eine alte kleine Reiseschreibmaschine, verstaubt und mit Spinnweben bedeckt, aber immer noch funktionstüchtig wie geschmiert; ein kitschiger indischer Porzellanelefant, der jetzt die Sonne auf meinem Balkon genießt, nachdem der Wolkenbruch am Abend ihn erstmal gründlich entstaubt hat; die wunderschönen gusseisernen, schweren Kerzenständer zur Montage an dicken, kühlen Wänden in tiefen, dunklen Gängen; und der elegante, dunkelbraune zweireihige Mantel aus glänzendem Leder, der mir gerade eben noch passt, die Ärmel ein bisschen kurz zwar, aber ein Ledermantel, wie ich ihn mir immer gewünscht habe, ein Inbegriff individueller Eleganz. Wunderbar.

Nur die beiden silbernen Kuchengabeln, aufbewahrt in einer mit feinster gelber Seide ausgeschlagenen kleinen Kiste, die hat Babett-e in einem Moment der Unachtsamkeit meinerseits in den Müll gedonnert mit einem „Ih, sind doch eklig, was willste denn damit?!“

Na, meine Sonntagstorte essen zum Beispiel. Verdammt.

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Geschützt: Die Lüge

Sonntag, 3. Juni 2007 · Geben Sie Ihr Passwort ein, um Kommentare lesen zu können.

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