Es ist September. Die ganze Woche hat es schon geregnet, alles war grau und kalt und igitt, aber nicht heute. Heute zieht der Himmel auf, ganz langsam, aber doch bestimmt und kraftvoll.
Ich klingele bei Sabine. Sie macht die Tür auf und lacht: “Du siehst aus wie eine Comicfigur!” Ich wehre mich gegen den Herbst und gegen das braungraublauschwarz des Alltags. Anstelle depressiver Schlammfarben trage ich einen ein pinkes T-Shirt, einen orangerotgelbhellrosadunkelrosapinkdunkelgrünaquatürkishellgrün gestreiften Sommerrock und quietschgrüne Schuhe. Später sagt sie, dass sie sich früher Karla Kolumna so vorgestellt hat.
Wir sitzen im Garten und trinken Tee. Die Wespen summen um uns herum, also bestellen wir sie beim Universum ab. Es funktioniert. Wir liegen etwas benommen in unseren Stühlen. Ab und zu stehen wir auf, um uns ein paar Zwetschgen vom Baum zu pflücken und faul in den Mund zu schieben. In diesem Augenblick kommt es mir vor, als hätte ich nie etwas besseres gegessen als diese köstlichen Zwetschgen, vom Baum ab in den Mund.
Später fahren wir mit den Rädern in den Wald, und ich fühle mich endlich wieder zu Hause. Sabine sammelt Moos, ich atme Wald. Über einen zugewachsenen Wiesenweg fahren wir an einem Maisfeld entlang. Die Brennesseln wischen an meinen Strümpfen vorbei, und ich brenne, aber es ist egal. Es ist sogar gut. Vertraut.
Sabine verschwindet im Maisfeldwald. Ihre Stimme klingt dumpf und weit weg. Als sie wiederkommt, sitze ich auf der Wiese. Außer dem Maisfeld ist nichts um uns herum als Wald. Alles ist still. Der Himmel ist inzwischen aufgerissen. Sabine setzt sich zu mir, und wir schweigen und schauen den Grashüpfern zu. Der Boden ist weich und trocken und die Sonne wärmt uns milde. Zufriedenheit. Alles ist gut in diesem Moment, und ich präge mir jedes kleine Detail ein für später – Sabines blondes Haar vor dem hellblau leuchtenden Himmel, auf der einen Seite das Maisfeld, auf der anderen und vor und hinter uns der Wald; die Brennesseln, die Grashüpfer, die Stille, der vertraute Geruch.
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