Ich habe viel Torte gegessen in den letzten Monaten. Sehr viel Torte.

Und das fing nicht erst mit meinem Besuch eines Herrn in einer kleinen bayrischen Stadt an, der ebenfalls leidenschaftlich gern zur silbernen Kuchengabel greift und so gütig war, unter anderem diese wirklich großartige Schokoladentorte seines Hauskonditors zu meinem großzügigen Lunchpaket beizusteuern. Über das andere Stück kann ich leider nichts vermerken, das sich das gleich nach meiner Ankunft im elterlichen Hause meine Frau Mama unter den Nagel gerissen hat – es sei ihr vergönnt. Was bleibt einem auch anderes übrig bei einem solchen Pseudo-Sommer, wie wir ihn hinter uns gelassen haben, als sich die grauen Nachmittage ebenso wie die wenigen sonnigen Stunden mit Torte zu versüßen – in letzterem Fall dann auch gerne an der frischen Luft.Zum Beispiel auf der Rheingoldterrasse, einem der wenigen Cafés in Mainz, auf dessen riesiger Terrasse auf dem Rathausplatz man relativ ungestört von Autolärm den ganzen Tag über in einem Strandkorb in der Sonne sitzen und auf den Rhein kucken, Milchkaffee trinken und Schokotorte essen und Anna Karenina lesen kann. Dafür nimmt man dann auch gerne das Möchtegern-Publikum in Kauf, ebenso wie den Wind, der einem auf der ungeschützten Terrasse durch die Haare zaust, und die gelegentlich etwas überforderten, aber durchweg sehr freundlichen Bedienungen – gleichwohl, man möchte ohnehin eigentlich nur in Ruhe Kaffee trinken und die Sonne für den Winter aufsaugen. Der Karottenkuchen ist übrigens sehr zu empfehlen, die Dekomöhre obenauf hingegen weniger.

Das hat er auch mit dem Karottenkuchen des Café Zucker gemeinsam, der insgesamt allerdings leider weniger saftig ausfällt (leider nicht im Bild). Mit dem Café Zucker ist das immer so eine Sache – es gibt dort teilweise wirklich ganz großartige Torten, man muss aber auch mit der gelegentlichen Enttäuschung rechnen. Die Himbeertorte (links im Bild) zum Beispiel ist die beste, die mir je untergekommen ist – die Himbeeren schmecken tatsächlich nach Himbeeren, der Biskuit ist perfekt, und man bekommt auch schon mal zwei Stück davon, weil „Die Stücke sind ein bisschen klein ausgefallen heute,“ und das für sensationelle 1,80€. Auch die Weincremetorte (Bildmitte) ist nicht zu verachten, gleichwohl ein Stück schon ganz schön beschwipst macht – für die Weincreme wird Pudding mit Wein statt mit Milch aufgekocht. Der Käsekuchen (rechts im Bild) ist gute Mittelklasse, kommt aber nicht ganz an seinen Konkurrenten aus dem Café Fischtor heran. Das macht allerdings der Apfelkäsekuchen wieder wett – ich hab noch keinen besseren gegessen. Großartig. Ebenfalls lecker ist die Mokkatorte; nicht ganz mein Fall waren die Nougat-Nuss-Torte (löblich: glutenfrei, aber leider einfach nur süß, pappig und krümelig), die Whisky- und die Sachertorte, die mir beide etwas zu trocken waren. Der Höhepunkt des Sortiments ist aber zweifelsfrei eine Eigenkreation: die Mainzer Schlosstorte. Viele Schichten Nussbiskuit mit Nougatbuttercreme dazwischen, und obenauf ein Florentinerdeckel – Tortenporno pur. Fotografische Beweise dafür folgen bei der nächsten Orgie.

Mein Sommerurlaub führte mich auch nach Graz, wo wir uns selbstverständlich ebenfalls durch die Konditoreien (und nicht nur die) gefuttert haben. Besonders begeistert war ich von diesem Exponat: Eierlikör-Himbeertorte auf Schokobiskuitboden, dazu ein kleines, aber äußerst feines Punschschnittchen. Leider ist mir der Name des Cafés entfallen, in dem es noch viele andere sündige Köstlichkeiten gab; allerdings sind wir die Gasse, in der es liegt, so oft rauf und runter gelaufen, dass mir zumindest der Straßenname bei Wiedervorlage eines Stadtplans bekannt vorkommen müsste.

Ganz oben, an ihrem Ende, liegt übrigens die wunderschöne Hofbäckerei der Stadt.
Zu guter letzt ein Friedensangebot, das ich nur allzu gerne angenommen habe: dieses gute Stück Cointreau-Trüffel-Torte hat mich heute – aufs erste – doch wieder mit dem Dom-Café versöhnt. Selten habe ich Torte so lustvoll angestöhnt – sehr zu empfehlen.

Und morgen? Morgen ist Mantelsonntag. Und da lassen wir die Torte ausnahmsweise mal zu Gunsten von Zwibbelkuche und Federweißem ausfallen.











