Ophelia was the rebel girl

Mit den Tags ‘Feminismus’ versehene Einträge

I’m such a fucking pixie.

Sonntag, 2. November 2008 · Kommentar schreiben

Das denke ich, als ich vor dem Spiegel stehe, und fühle mich wohl dabei. Kaum trete ich vor die Haustür (Herbstblätter Verkehr Menschenmassen), ruhen alle Blicke auf mir. Sie starren mich an, weil ich es wage, ein Kleid anzuziehen, ein türkisfarbenes (es ist eines meiner bequemsten und liebsten Kleidungsstücke), und es dann auch noch mit grünen Seidenstrumpfhosen und einer grünen Jacke mit einer großen, fröhlichen hellroten Seidenblume am Revers zu kombinieren. Und dann auch noch alleine durch die Stadt zu streifen, einfach so, ohne Ziel. Skandalös. Yeah, because I’m such a fucking rebel. Ich glaube das nicht, aber man kann nicht abstreiten, dass ich hervorsteche aus dieser Menschenmasse der Mantelsonntagseinkaufsspaziergänger, deren Mäntel doch immer nur zwischen grau, braun und schwarz variieren und deren Beinbekleidung zum Großteil aus Jeansstoffen besteht.

In die anonyme Masse einzutauchen, mich von ihr tragen zu lassen, darin zu verschwinden – es hat etwas Erleichterndes, und ich freue mich auf London, mehr und mehr. Be fabulous, but forgettable. Später am Rhein denke ich an die Themse, frage mich, wie es wohl ist, nicht in der Nähe eines Flusses zu leben, wie man das nur aushalten kann. Ich erinnere mich an einen Spaziergang entlang der Uferstraße, vor vielen Jahren, ich war gerade erst hierher gezogen. J. und ich philosphierten darüber, dass man es wohl geschafft hat, wenn man sich dort eine Wohnung leisten kann. Nicht einmal ein Jahr später kam es so, und auch, wenn es nicht ganz die Uferstraße geworden ist, so kann ich doch von meinem Badezimmer aus den Fluss sehen, zumindest im Winter.

Ich sitze in der Abendsonne am Ufer (Abend, um kurz vor vier! Ach, der Winter ist so eine schrecklich dröge Jahreszeit). Unter mir, im Schatten des Flusses, paddelt eine Stockente gegen den Strom an. Am anderen Ufer lassen sich ein paar Dutzend Möwen in der Sonne auf dem Wasser nieder und schaukeln auf den Wellen. Vor mir fahren kleinere und größere Schiffe vorbei, über mir ziehen die Flugzeuge dahin, und ich wünschte, ich säße drin, mal wieder.

Ich habe dieses Wochenende viel Alice Schwarzer gelesen, und obwohl ich immer noch vehement gegen einige ihrer Grundthesen und -forderungen bin (zumindest in der Rdaikalität und Ausschließlichkeit, mit der sie sie einfordert), so verstehe ich sie jetzt doch wesentlich besser und habe festgestellt, dass ich ihr in anderen Dingen durchaus zustimme. Allerdings: dort, wo sie sich (und uns als Frauen) das Recht nehmen will, nicht länger weiblich zu sein (sondern menschlich), werde ich wohl immer entgegensetzen: ich nehme mir das Recht, weiterhin weiblich zu sein. In dieser ganzen Debatte sollte es nicht darum gehen, nicht länger etwas sein zu dürfen (wird mir etwa das Recht abgesprochen, Feministin zu sein, weil ich am liebsten Kleider und Röcke trage?), sondern die Freiheit zu haben, alles sein zu dürfen. Auch weiblich.

Aber das alles sind nur erste Gedanken, und ich habe das Gefühl, dass die Geschlechterthematik und der Feminismus mich noch eine Zeit lang begleiten werden.

Kategorien: Meenz wie es singt und lacht
Mit Tag(s) versehen: